Weltkugel im Aktienuniversum

Mega-IPOs

Was Anleger aus der Geschichte großer Börsengänge lernen können!

Bernd Merkinger, Aktienfondsmanager
Bernd Merkinger, Aktienfondsmanager bei KEPLER

Bernd Merkinger aus dem KEPLER Aktienfondsmanagement erklärt die Details zur Studie "Mega IPO's" und geht der Frage nach, warum die größten Börsengänge häufig nicht die besten Investments sind.

Mit SpaceX hat im Sommer 2026 das bislang größte IPO der Börsengeschichte stattgefunden. Gleichzeitig warten die Finanzmärkte gespannt auf die Börsendebüts von Anthropic und OpenAI. Die Bewertungen bewegen sich in historischen Dimensionen, die mediale Aufmerksamkeit ist enorm und viele Anleger möchten von Beginn an dabei sein.

 

Doch gerade bei den spektakulärsten Börsengängen lohnt sich ein Blick hinter die Schlagzeilen. Denn die Geschichte zeigt, dass der größte Hype nicht zwangsläufig mit den besten langfristigen Renditen einhergeht. Während die ersten Handelstage oft von Euphorie, Knappheit und hoher Nachfrage geprägt sind, folgt später häufig eine Phase deutlich nüchternerer Bewertungen.

Was Anleger aus 45 Jahren Börsengängen lernen können

Mit SpaceX ist bereits eines der weltweit wertvollsten Unternehmen an die Börse gegangen, weitere milliardenschwere Börsengänge von den KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI folgen. Doch lohnt es sich wirklich, bereits am ersten Handelstag dabei zu sein? Bernd Merkinger, Aktienmanager bei KEPLER, hat in seiner Studie mehr als vier Jahrzehnte US-Börsengänge untersucht, um derartige Ereignisse besser einordnen zu können.

Die größte IPO-Welle aller Zeiten

Dass Unternehmen Börsengänge bevorzugt in Phasen starker Kapitalmärkte platzieren, ist kein neues Phänomen. Die aktuelle Situation ist dennoch außergewöhnlich. Innerhalb kurzer Zeit kommen Unternehmen mit Bewertungen von jeweils rund einer Billion US-Dollar an den Markt. Ein Emissionsvolumen dieser Größenordnung hat es bislang nicht gegeben.

Für Investoren sind solche Börsengänge besonders verlockend. Sie verbinden bekannte Marken, hohe Wachstumsraten und viel mediale Aufmerksamkeit. Gleichzeitig steigt damit aber auch die Gefahr, zu überhöhten Bewertungen einzusteigen.

Der erste Handelstag ist nicht entscheidend

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie betrifft die langfristige Entwicklung nach dem Börsenstart. Die Analyse von US-Börsengängen zwischen 1980 und 2025 zeigt, dass Anleger, die erst am Ende des ersten Handelstages investierten, nach drei Jahren im Durchschnitt deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückblieben.

Während der Kursanstieg am ersten Handelstag häufig als Bestätigung für die Qualität eines Unternehmens interpretiert wird, sprechen die historischen Daten eine andere Sprache. Hohe Ersttagsrenditen waren langfristig oftmals kein positives Signal, sondern eher Ausdruck besonders hoher Erwartungen.

Genau diese Erwartungen müssen die Unternehmen in den Jahren nach dem Börsengang erst rechtfertigen.

Bewertung schlägt Euphorie

Besonders deutlich zeigt sich dieser Zusammenhang bei den Bewertungen der Emittenten.

Unternehmen mit moderaten Bewertungen entwickelten sich nach dem Börsengang deutlich stabiler als jene, die bereits vor dem Listing mit sehr hohen Wachstumsprämien versehen wurden. Je höher das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei der Emission ausfiel, desto schwächer war im Durchschnitt die spätere Entwicklung.

Die Studie macht damit deutlich, dass Anleger nicht nur auf das Geschäftsmodell oder die Wachstumsstory achten sollten. Ebenso entscheidend ist die Frage, welcher Preis dafür bezahlt wird. Selbst hervorragende Unternehmen können sich als enttäuschende Investments erweisen, wenn die Erwartungen bereits zu hoch angesetzt sind.

Profitabilität bleibt ein wichtiger Erfolgsfaktor

Ein weiterer Trend zeigt sich bei der Profitabilität der Emittenten. Während in den 1980er-Jahren nur ein kleiner Teil der an die Börse gehenden Unternehmen Verluste schrieb, ist dieser Anteil in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Historisch betrachtet entwickelten sich gerade jene Unternehmen, die zum Zeitpunkt des Börsengangs noch keine nachhaltigen Gewinne erwirtschafteten, schwächer als der Gesamtmarkt. Wachstum allein reicht somit oft nicht aus. Entscheidend bleibt, ob aus Wachstum langfristig auch Erträge entstehen.

SpaceX als aktuelles Fallbeispiel

Der Börsengang von SpaceX verdeutlicht viele der Muster, die sich auch in den historischen Daten finden.

Das Unternehmen ging mit einer sehr ambitionierten Bewertung an den Markt und sorgte bereits vor dem ersten Handelstag für enorme Aufmerksamkeit. Entsprechend stark fiel die Kursentwicklung unmittelbar nach dem Listing aus. In den darauffolgenden Wochen zeigte sich jedoch eine deutlich höhere Volatilität.

Ob sich SpaceX langfristig erfolgreich entwickeln wird, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Der bisherige Verlauf zeigt allerdings, dass starke Kursbewegungen unmittelbar nach einem Börsengang keine Seltenheit sind.

Warum Anleger trotzdem investieren

Trotz der langfristig eher ernüchternden Statistik erfreuen sich Börsengänge ungebrochener Beliebtheit. Ein Grund dafür liegt in typischen Verhaltensmustern.

Viele Anleger denken bei IPOs an Erfolgsgeschichten wie Amazon, Google oder Meta. Weit weniger präsent sind die zahlreichen Unternehmen, die nach ihrem Börsendebüt nie die erhofften Erwartungen erfüllen konnten. Hinzu kommt die intensive Berichterstattung rund um große Börsengänge, die kurzfristige Kursbewegungen besonders sichtbar macht.

Im Fondsmanagement ist die Gefahr solcher Verhaltensfallen durchaus bekannt. Deshalb spielen klar definierte Investmentprozesse bei KEPLER eine zentrale Rolle. Sie helfen dabei, kurzfristige Marktstimmungen von langfristig relevanten Fundamentaldaten zu trennen.

Was bedeutet das für aktive und passive Anleger?

Große Neuemissionen werden häufig rasch in wichtige Aktienindizes aufgenommen. Da diese Termine im Vorfeld bekannt sind, können Marktteilnehmer darauf reagieren, bevor Indexfonds die entsprechenden Käufe umsetzen.

Für breit gestreute Portfolios bleibt dieser Effekt zwar meist überschaubar. Er zeigt jedoch, dass auch passive Strategien nicht vollständig frei von indirekten Umsetzungskosten sind. Diese fallen lediglich weniger sichtbar aus als klassische Verwaltungsgebühren.

Ein Blick auf Anthropic und OpenAI

Die beiden KI-Unternehmen zählen zu den meistbeachteten Kandidaten für kommende Börsengänge. Die vorgesehenen Bewertungen liegen auf einem sehr hohen Niveau, was die Erwartungen entsprechend anspruchsvoll macht.

Für Anleger wird entscheidend sein, ob die Unternehmen ihre Wachstumsperspektiven in nachhaltige Ertragskraft umwandeln können. Historische Erfahrungen liefern zwar wertvolle Orientierung, erlauben jedoch keine verlässlichen Aussagen über den Erfolg einzelner Börsengänge.

Deshalb bleibt für KEPLER derselbe Grundsatz wie bei allen anderen Unternehmen bestehen: Die Basis für Investments liefern fundierte Analysen von Bewertung, Geschäftsmodell und langfristien Ertragsaussichten.

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Informationen zu den nachhaltigkeitsrelevanten Aspekten der Fonds gemäß Offenlegungs-VO sind dem jeweils aktuellen Prospekt zu entnehmen. Bei der Entscheidung, in den jeweiligen Fonds zu investieren, sollten alle Eigenschaften oder Ziele des Fonds berücksichtigt werden, wie sie in den Fondsdokumenten beschrieben sind.
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